2006
Interaktive Lern-CD
Teil 1 von 6
Wie alles begann
Die Zusammenarbeit zwischen dem SLF und der Suva begann um die Jahrtausendwende. Als erstes gemeinsames Projekt entstand 2001 ein Film zu den fünf Lawinengefahrenstufen. In bekannten Freeridegebieten lief das Video auf eigens eingerichteten Bildschirmen in Endlosschlaufe, und wer auf den nächsten Lift wartete, konnte sich gleich ein bisschen Lawinenwissen abholen. Ausserdem war die VHS-Kassette fester Bestandteil von Lehrunterlagen, um Basis-Lawinenwissen zu vermitteln.
Eine CD im Briefkasten
Der Impuls zur Entwicklung von White Risk kam wenig später. Eines Tages landete bei der Suva ein unerwartetes Päckchen im Posteingang: eine CD eines Studenten namens Daniel Landolt. Daniel ist ein leidenschaftlicher Snowboarder und hatte in den USA Interaction Design studiert. Während seines gesamten Studiums hatte ihn ein Lawinenbuch im Handgepäck begleitet. Als er schliesslich vor der Aufgabe stand, eine interaktive Masterarbeit zu entwickeln, war für ihn sofort klar, welchem Thema er sich widmen würde: der Erstellung einer interaktiven Lern‑CD über Lawinen.
Daniel kannte die Suva-Kampagne mit den schwarzen Snowboards als Grabsteine und den Lawinenfilm und hoffte, mit seiner CD auf offene Ohren zu stossen. Die Suva hatte nun bereits den Kontakt zum SLF und leitete die CD zur fachlichen Beurteilung an Stephan Harvey weiter. Harvey klickte sich durch und spürte sofort: Da steckt enormes Potenzial drin. Fachlich war noch nicht alles ausgereift, aber der Funke war übergesprungen. Und aus diesem Funken entstand ein ziemliches Feuer.


Übrigens trug das Projekt zu diesem Zeitpunkt noch den Arbeitstitel «The White Rush». Klingt dynamisch, klingt nach Schnee und Adrenalin, aber leider auch nach einem ganz anderen weissen Pulver. Für die Suva war das ein klares No-Go. Also wurde umgetauft, und White Risk war geboren.
Geburtsstunde von White Risk
Suva und SLF beschlossen, gemeinsam ein neues, einzigartiges interaktives Lehrmittel zu entwickeln. Daniel Landolt gründete dafür zusammen mit seinem Kollegen und damaligen Mitbewohner Peter Eisenegger die Firma Atfront. In enger Zusammenarbeit mit Stephan Harvey, der für die fachlichen Inhalte zuständig war, entstand über die nächsten Monate die Lern-CD zur Lawinenunfall-Prävention White Risk. Nach vielen Nachtschichten und langen Tagen war es im Januar 2006 endlich so weit: Die CD wurde mit einer Pressekonferenz in Zürich der Öffentlichkeit vorgestellt.
Der Entwicklungsaufwand war enorm: Es wurde umfassender und vertiefter Inhalt aufbereitet, Animationen und Grafiken spezifisch für dieses Produkt erstellt und die Programmierung für die CD kam auch noch dazu. So umfassend, dass noch heute viele der Übungen die Grundlage für die E-Learning Inhalte bilden.
Die Firma Mammut unterstützte die Entwicklung der CD als Partnerin. So wurden unter anderem die Inhalte zur improvisierten Rettung zusammen mit Atfront mithilfe von Lego-Figuren umgesetzt.
Bestellchaos und USB-Sticks
Was nach der Veröffentlichung passierte, hatte niemand vorhergesehen: Eine regelrechte Bestellwelle überrollte das SLF. Es wurden so viele CDs nachgefragt, dass zahlreiche Mitarbeitende ihre eigentliche Arbeit unterbrechen mussten, um beim Versand mit anzupacken. Die Idee, Lawinenwissen modern und interaktiv zu vermitteln, hatte einen Nerv getroffen.
Mit der Zeit entdeckten auch Lawinenkursleiter/innen die CD als Präsentationswerkzeug, obwohl sie dafür eigentlich gar nicht gedacht war. Die Nachfrage nach den enthaltenen Animationen und Videos war aber so gross, dass kurzerhand ein eigenes Präsentationstool entwickelt wurde: White Risk Instructor. Eine Applikation auf DVD oder USB-Stick, vollgepackt mit ausgewählten Inhalten der CD. Plug and Play für die Lawinenkunde.
Nachdem die erste Version von White Risk auf Deutsch und Französisch veröffentlicht wurde, folgte 2007 die englische Ausgabe und ab 2010 war White Risk auch auf Italienisch verfügbar.
Anhang
Hier findest du weitere Impressionen aus der White Risk CD sowie der ersten Version «The White Rush».
Mit den folgenden Links kannst du noch mehr über die ersten Versionen von White Risk erfahren.



